Wann ist Ökostrom zu 100% aus erneuerbaren Energien?

Ökostrom klingt super, beruhigt das Gewissen und leistet einen Beitrag zur Energiewende in Deutschland und der Welt. Wenn Sie sich entscheiden aktiv etwas für die Umwelt zu tun und Ihren Stromanbieter zu wechseln, dann stellen Sie schnell fest, dass der Markt für Ökostrom und grünen Strom mittlerweile gewaltig ist. Überraschend günstige Angebote finden sich bereits auf Vergleichsportalen, aber ist der Strom, den ich erhalte, anschließend auch wirklich aus 100% erneuerbaren Energien?

shutterstock_126324377Die Frage lässt sich grundsätzlich mit nein beantworten. Zwei wesentliche Faktoren spielen hier eine Rolle, die wir im Verlauf dieses Beitrages näher erläutern werden. Zunächst klären wir die Fragen, ob dort, wo Ökostrom draufsteht, auch Ökostrom drin ist.

Gibt es einen Unterschied zwischen Ökostrom und Grünstrom?

Nein, grundsätzlich nicht. Ökostrom und Grünstrom können als Synonyme füreinander verwendet werden und bezeichnen im Allgemeinen Strom, der aus erneuerbaren Energien wie Sonnen-, Wind-, und Wasserkraft  erzeugt wird. Auch Biomasse- oder Biogasverbrennungsanlagen werden hinzugezählt. Grundsätzlich soll das Produkt Ökostrom auch auf eine möglichst nachhaltige und umweltschonende Art und Weise produziert werden. Beide Begriffe sind allerdings nicht offiziell definiert, sodass es Schlupflöcher für all diejenigen gibt, die im Wettbewerb mit möglichst billigem Ökostrom punkten wollen.

Die Sache mit dem Zertifikathandel

Das Gegenteil von Ökostrom ist Graustrom, welcher aus fossilen Brennstoffen oder Atomenergie hergestellt wird. Das mag für die meisten nichts neues sein, doch können Graustromproduzenten über Umwege ihren Strom trotzdem als grünen Strom verkaufen. Möglich macht es das sogenannte REC-System (Renewable Energy Certificate ) als Teil eines europäischen Energie Zertifikate Systems. Mit der Erzeugung von grünem Strom erhält der Produzent neben dem eigentlichen Strom zusätzlich ein Zertifikat. Nun kann er entweder seinen Strom mithilfe des Zertifikates als Ökostrom an Kunden verkaufen oder der Stromerzeuger hat nicht genügend Abnehmer für grünen Strom und verkauft deswegen einen Großteil des Stroms als konventionellen Graustrom  an seine Kunden und darf deswegen seine Zertifikate an andere Anbieter verkaufen, die ihren Graustrom gerne als Grünstrom vermarkten möchten. So gesehen ist Ökostrom also nur eine Frage des Zertifikathandels.

Woher kommt der Strom aus meiner Steckdose?

Der Strom, den wir alle aus unserer Steckdose Zuhause beziehen, kommt immer aus der birds-power2xnächstgelegenen Quelle. Selbst, wenn Sie einen Ökostromtarif haben, aber neben einem Atomkraftwerk wohnen, erhalten Sie Ihren Strom zu einem hohen Prozentsatz direkt von dort. Ihr Anbieter hat in diesem Fall wahrscheinlich gar nichts mit dem Kraftwerk in Ihrer Nachbarschaft zu tun, allerdings ist dies ein rein physikalischer Prozess, der sich nicht verhindern lässt. Solange dieses Kraftwerk (stellvertretend für alle nicht erneuerbaren Energien) Strom in unser Netz einspeist, werden Sie – obwohl Sie eigentlich dafür bezahlen – keinen 100%igen Ökostrom aus der Steckdose bekommen.

So erhalten Sie nachhaltigen Ökostrom

Sollten Sie im Besitz einer Photovoltaikanlage auf dem Dach sein, so können Sie durch Ihren Eigenverbrauch den Anteil an EE innerhalb Ihres Strommixes deutlich erhöhen. Mit dem weiteren Ausbau von erneuerbaren Energien wird sich dieser Anteil in den nächsten Jahren stetig erhöhen. Falls Sie nicht die Chance haben auf eine eigene Stromproduktion zurückzugreifen, bleiben trotzdem einige Tipps, damit wenigstens der Anteil an Ökostrom im Netz produziert wird, den Sie verbrauchen.

Achten Sie darauf, dass der Ökostromanbieter Ihrer Wahl nicht nur durch Zertifikate Grünstromverkäufer ist, sondern der Strom wirklich aus erneuerbaren Quellen stammt. Wichtige Hilfestellung geben dabei Gütesiegel oder Label, die durch einen Zertifizierungsprozess dem jeweiligen Anbieter bescheinigen, dass Sie Ökostrom verkaufen. Führend auf diesem Gebiet sind zurzeit das Grüner Strom Label oder ok-power Siegel. Anbieter mit dieser Zertifizierung investieren zudem einen bestimmten Prozentsatz je verkaufter Kilowattstunde in die Förderung von neuen Anlagen.

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