Armut ist immer Armut an Energie (Teil 1)

Armut ist immer auch Armut an Energie. Wer keine zuverlässige Energieversorgung hat, kann kein Feld bestellen, kein Wasser transportieren und ist der Natur in vielen Dingen schutzlos ausgeliefert. Laut einem Bericht der UN-Initiative Sustainable Energy For All haben noch immer mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt keinen Zugang zu Energie. Betroffen davon sind besonders Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem mittleren Osten. Allein in Sub-Sahara Afrika waren 2014 noch 620 Millionen Menschen ohne Energieversorgung. Detaillierte Einblicke in die Energieversorgung der Menschen gibt der jährliche World Energy Outlook der Internationalen Energie Agentur. Doch es gibt einen Lichtblick: Gerade dort, wo bisher keine umfangreiche Energieversorgung sichergestellt ist, lassen sich dezentrale Technologien leichter umsetzen als in den Industrieländern.

Was hat Armut mit Energie zu tun?

Vor allem das Fehlen von Elektrizität verschärft das Armutsproblem. Industrie und damit verbundene Jobs sind von Elektrizität abhängig. Ohne Einkommen gibt es keinen Weg aus der Armut heraus, denn durch das Einkommen definiert sich in der Regel auch der Begriff der Armut. Der absolute Armutsbegriff orientiert sich an einem täglich verfügbaren Einkommen von 1,- $. Wer weniger zur Verfügung hat, gilt nach dieser Definition als extrem arm.

Fehlende Stromversorgung und mangelndes Einkommen betreffen besonders Menschen in ländlichen Gebieten. Rund 80% der Menschen ohne Zugang zu Elektrizität leben im ländlichen Raum. Zur Energieversorgung, zum Beispiel zum Kochen und als Wärmequelle, greifen die Menschen hier vor allem auf Biomasse zurück: Holz und landwirtschaftliche Abfälle wie Dung sind hier die wichtigsten und oftmals auch einzigen Energieträger. Damit lassen sich natürlich nur die grundlegenden Bedürfnisse stillen.

Menschen, die von Energiearmut betroffen sind, erfahren aber nicht nur bei ihren primären Bedürfnissen einen Mangel. Auch die Welt um sie herum ist von Energiearmut gezeichnet. Einige Beispiele:

Nahrung: Um Nahrung zu produzieren, müssen wir Energie einsetzen. Wir müssen Ackerbau betreiben, Nahrungsmittel transportieren, Nutztiere füttern und allerlei andere Arbeit leisten. Menschen, die keinen Zugang zu ausreichend Energie haben, können hierfür nur ihre eigene Muskelkraft oder die von Nutztieren einsetzen. Energiearmut bedeutet Selbstversorgung auf niedrigstem Niveau.

Mobilität: Ohne die Möglichkeit, Energieträger effizient zu nutzen, sind Menschen in ihrer Mobilität stark eingeschränkt. Es gibt keinen ausreichenden Nahverkehr und die individuelle Mobilität fußt auch hier ausschließlich auf der eigenen Muskelkraft oder der von Nutztieren. Diese verbrauchen wertvolle Nahrungsmittel, die wiederum mit der eigenen Muskelkraft erarbeitet werden mussten. Kranke Menschen, Alte, Kinder und Behinderte leiden besonders unter fehlenden Fortbewegungsmitteln.

Arbeitsplätze: Um der Armut zu entkommen, brauchen Menschen Arbeitsplätze. Diese entstehen wiederum da, wo die Bedingungen gut sind. Energie ist dafür essenziell, stellt sie doch die Grundlage für eine effiziente Produktion von Waren dar. Energiearmut bedeutet also auch, dass sich keine leistungsfähige Industrie entwickeln kann. Die Menschen sind gewissermaßen in ihrer Rolle als Selbstversorger gefangen.

Selbstversorgung ist für viele Menschen kein Traum, sondern bittere Realität

In den industrialisierten Ländern mag die Vorstellung der weitgehenden Selbstversorgung etwas Romantisches haben. Die Realität sieht aber anders aus. Während viele Menschen in Deutschland vom Selbstversorgerleben träumen, kämpfen in Drittweltländern Menschen täglich ums Überleben, weil ihnen günstige und ständig verfügbare Energie fehlt. Überraschenderweise könnte gerade die Energiearmut ein Grund dafür sein, dass Drittwelt- und Schwellenländern besonders von erneuerbaren Energien profitieren. Hier haben diese Ländern den industrialisierten Ländern etwas Entscheidendes voraus. Was dies ist, erfahrt ihr im zweiten Teil.

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