shine 3-Punkte-Plan – Teil 1: Abhängigkeit von Energieversorgern erkennen

 

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Das neue Jahr ist da, es ist kalt, nass und matschig. Doch spätestens im Frühjahr ändert sich das und darauf wollen wir uns vorbereiten. Für 2017 haben wir uns schließlich einiges vorgenommen.

Starten möchten wir, wie angekündigt, mit dem ersten Teil des shine 3-Punkte-Plans zur Energieunabhängigkeit. Dabei nehmen wir euch mit auf die Reise von der Abhängigkeit zur Unabhängigkeit von Stromversorgern. In diesem ersten Teil geht es um ein Bewusstsein für diese Abhängigkeit: Woher kommt unser Strom? Was bedeutet es, wenn wir Energie verbrauchen? Welche Möglichkeiten gibt es, sich unabhängiger von Stromversorgern zu machen? Als Beispiel für unsere gemeinsame Reise dienen uns Thomas und seine Familie.

Thomas ist einer der rund 45 Millionen Stromkunden in Deutschland. Im Durchschnitt verbrauchen diese privaten Kunden rund 3.100 kWh Strom im Jahr. Dies entspricht in etwa dem Verbrauch eines zweiköpfigen Haushalts. Thomas hingegen ist Vater von zwei Kindern im Grundschulalter. Zusammen mit seiner Frau Simone und den beiden Kindern lebt die Familie in einer Doppelhaushälfte mit einer Wohnfläche von 140 qm. Sie haben einen kleinen Garten und ein Auto für die gesamte Familie. Thomas arbeitet in Vollzeit, verlässt das Haus um 7 Uhr zusammen mit den beiden Kindern. Ihre Mutter Simone arbeitet in Teilzeit, verlässt das Haus eine Stunde später und kommt um 14 Uhr mit den beiden Kindern nach Hause. Der Stromverbrauch der Familie liegt bei jährlich 4.400 kWh.

Geheizt wird mit einer Ölzentralheizung, die auch das Warmwasser aufbereitet. Dafür verbrauchen Thomas und seine Familie 1.800 Liter Heizöl jährlich. Für ihren gesamten Energiebedarf sehen die Ausgaben der Familie daher so aus:

stromkosten_beispiel

Ihren Strom bezieht die Familie von den örtlichen Stadtwerken. Heizöl bestellen sie bei einem Händler in der Nähe.

Geringes Bewusstsein für Strom, aber hohes Bewusstsein bei Heizenergie

Auf die Frage, woher der Strom der Familie kommt, antwortet Simone:

„Wahrscheinlich aus einem Kohlekraftwerk irgendwo in Deutschland. Wir haben uns für den einfachsten und günstigsten Tarif entschieden. Die Stadtwerke sind schnell erreichbar, wenn es Probleme gibt und der Preis ist für uns problemlos zu stemmen. Wahrscheinlich könnten wir auch mehr sparen oder saubere Energie nutzen, aber so wirklich haben wir uns damit noch nie beschäftigt.“

Simone und Thomas gehören zu denjenigen Stromkunden, die eine geringe Wechselaffinität bei ihrem Energieversorger zeigen. Sie haben sich daran gewöhnt, dass Strom aus der Steckdose kommt und verfügbar ist, wenn man ihn braucht. Strom ist unsichtbar und emotionslos, das wird bei unserer Beispielfamilie deutlich. Mit Energieversorgung beschäftigt sie sich deshalb nur einmal im Jahr, wenn die Jahresendabrechnung mit der Post kommt. Nur bei den Heizkosten ist ihr Bewusstsein stärker ausgeprägt. Sie haben zwei Heizöltanks mit einem Fassungsvermögen von je 1.500 Litern. Insgesamt können sie also 3.000 Liter Heizöl lagern, was sie regelmäßig tun, wenn der Ölpreis niedrig ist. Hier werden sie selbst aktiv, vergleichen Preise und haben ein Auge auf den Ölmarkt. Das schlägt sich auch in einem höheren Bewusstsein für die Abhängigkeit vom Energiemarkt nieder, wie Thomas erzählt:

„Wenn es um die Heizung geht, dann habe ich die Preise und alles, was darauf Einfluss hat, immer einigermaßen im Auge. Wenn man die Preisentwicklung für Heizöl ein wenig beobachtet und rechtzeitig reagiert, kann man einiges sparen.“

Die Energiewende verlangt ein Umdenken

Ein Bewusstsein für die Abhängigkeit von Energieversorgern und Energiepreisen entsteht nur dann, wenn wir uns eingängig mit dem Energieträger und dem damit verbundenen Versorgungssystem beschäftigen. Wer wie unsere Beispielfamilie sein Heizöl selbst einkaufen muss, hat zwangsläufig ein direkteres Verhältnis zum Energiemarkt. Gerade bei der Stromversorgung sind wir jedoch an Abhängigkeit gewöhnt. Seit rund 100 Jahren hat sich das System der Stromversorgung kaum verändert: Elektrische Energie wird in großen Kraftwerken produziert, via Überlandleitung im Land verteilt, in Umspannwerken auf die nötige Spannung gebracht und gelangt dann in unsere Haushalte. Wir müssen nichts weiter tun, als den Stecker in die Steckdose zu stecken und den Strom zu verbrauchen. Diese Bequemlichkeit ist der große Vorteil der klassischen, zentralisierten Stromversorgung und dennoch ist sie ein Auslaufmodell.

Die Energiewende wird unsere Energieversorgung fundamental verändern. Die größte Herausforderung ist der Umbau des Stromnetzes. Energie wird dann nicht mehr zentral an einigen wenigen Orten in großen Mengen produziert und über das gesamte Land verteilt, sondern entsteht an vielen kleinen Produktionsstätten, teilweise direkt bei den Verbrauchern selbst. Es ist ein Wandel weg von einer Versorgungsstruktur in fremden Händen hin zu einer Struktur, bei der die Energieversorgung auf viele einzelne Schultern verteilt wird. Ausgehend von vollständiger Abhängigkeit nähern wir uns damit Schritt für Schritt einer unabhängigen Energieversorgung, bei der jeder Verbraucher teilweise oder ganz selbst für seine Energieversorgung verantwortlich ist. Dies bringt wichtige Vorteile mit sich, die wir für uns nutzen können:

  • Wir machen uns unabhängig von Strompreisschwankungen
  • Wir können die Kosten für Energie langfristig und sicher planen
  • Wir erhalten einen unmittelbaren Anreiz zum Energiesparen

Auch Thomas und seine Familie möchten sich in Zukunft näher mit ihrer Stromversorgung beschäftigen und autarker werden. Zusammen mit shine folgen sie deshalb dem 3-Punkte-Plan zur Energieunabhängigkeit.

Woher kommt der Strom eigentlich?

Online macht sich Simone schlau. Sie möchte wissen, woher der Strom kommt, den die Familie von den örtlichen Stadtwerken bezieht. Das Problem: Strom lässt sich nicht zurückverfolgen. Kunden von Energieversorgern werden deshalb auf die Stromkennzeichnung verwiesen, die jeder Stromanbieter seinen Kunden laut Gesetz zur Verfügung stellen muss. Hier können Verbraucher einsehen, wie sich der Strommix ihres Anbieters zusammensetzt. Bei den örtlichen Stadtwerken, die Thomas und Simone beliefern, sieht dies so aus:

stromkennzeichnung

Die örtlichen Stadtwerke, von denen die Familie ihren Strom bezieht, liefert bereits einen großen Anteil an Energie aus regenerativen Quellen. Mit 45,5% ist dies der größte Posten. Knapp dahinter folgt jedoch Kohlestrom. Pro produzierter kWh Strom werden beim Verheizen von Braunkohle 0,36 kg CO2 freigesetzt. Bei Steinkohle sind es 0,34 kg CO2. Von allen herkömmlichen Energieträgern ist Kohle der Brennstoff, der am meisten CO2 freisetzt. Was die CO2-Bilanz angeht, ist der Strom, den Simone und ihre Familie verbrauchen, also sehr dreckig – und das trotz eines hohen Anteils an regenerativen Energien. Dies möchten Simone und ihr Mann Thomas ändern. Zwei Möglichkeiten kommen dafür in Betracht:

  1. Sie wechseln zu einem Anbieter für Ökostrom
  2. Sie produzieren ihren Strom in Zukunft selbst

Auch Ökostromtarife bringen keine echte Unabhängigkeit

Von Ökostromanbietern weiß Simone, dass nicht jeder, der Ökostrom anbietet, auch wirklich regenerative Energie liefert. Hier zeigt sich, wie kompliziert die Stromversorgung eigentlich ist. Denn bis heute kann Strom nicht effizient gespeichert werden. Die Netz- und Kraftwerksbetreiber müssen also weiterhin sicherstellen, dass Strom genau dann produziert wird, wenn er verbraucht wird. Dies ist die größte Herausforderung für die Energiewende, schließlich sind Wind-, Solar- und Wasserkraft abhängig vom Wetter, während ein Kohlekraftwerk entsprechend dem Stromverbrauch geregelt werden kann. Aus diesem Grund müssen herkömmliche Kraftwerke vorgehalten werden, um die Schwankungen im Stromnetz auszugleichen und eine saubere Energieversorgung überhaupt erst möglich zu machen.

Simone informiert sich über verschiedene Anbieter von Ökostromtarifen. Die meisten bieten ihren Kunden laut eigener Auskunft zwar 100% Ökostrom, allerdings nur sogenannten mengengleichen Ökostrom. Während beim mengengleichen Ökostrom lediglich sichergestellt werden muss, dass bis zum Ende eines Verbrauchsjahres die vom Stromkunden eingekaufte Gesamtmenge an Ökostrom eingespeist wurde, muss beim zeitgleichen Ökostrom der vom Kunden gewünschte Strom aus regenerativen Quellen genau zu dem Zeitpunkt geliefert werden, an dem er nachgefragt wird. Nur beim zeitgleichen Ökostrom können Thomas und Simone also sicher sein, dass, wenn sie das Licht einschalten, Ökostrom ins Netz eingespeist wird und somit den Anteil an regenerativen Energien im Stromnetz erhöht. Und trotzdem müssen weiterhin herkömmliche Kraftwerke bereitgehalten werden, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Dies dämpft die Erwartungen der Familie im Hinblick auf eine saubere Energieversorgung deutlich.

„Ökostrom ist zwar eine gute Sache, aber wirklich unabhängig wird man damit nicht. Man ist weiterhin von der gesamten Versorgungsstruktur abhängig und dazu gehören nunmal auch herkömmliche Kraftwerke, die wir ja eigentlich nicht nutzen wollen.“ sagt Simone. „Der einzige Weg scheint wirklich zu sein, den Strom selbst zu produzieren, vor allem weil wir auch mit Ökostrom weiterhin vom Strompreis abhängig sind und das wollen wir ja nicht. Wir wollen wirklich unabhängig sein, auch von Spekulationen und was es da alles gibt.“

Hinzu kommt, dass die durchschnittlichen Verbraucherpreise für Strom in den vergangenen Jahren gestiegen sind, obwohl die Produktions- und Beschaffungskosten durch sinkende Preise an der Strombörse kontinuierlich sanken. Die Stromversorger geben ihre günstigeren Beschaffungskosten also nicht an die Verbraucher weiter. Auch dies zeigt, wie wichtig Unabhängigkeit von der klassischen Energieerzeugung ist.

verbraucherpreis-vs-beschaffungs-und-vertriebskosten

So setzt sich der Strompreis zusammen

Tatsächlich kann auch bei Ökostromkunden von Unabhängigkeit nicht die Rede sein. Bei ihrer Recherche erfahren Simone und Thomas, dass Ökostrom bei der Einspeisung ins Netz zwar Vorrang hat und damit außer Konkurrenz vom Markt läuft, er dafür aber abhängig vom Willen der Gesetzgeber und von etlichen Subventionen und Umlagen ist. Wie sehr dies der Fall ist, wird deutlich, wenn man sich die Zusammensetzung des Strompreises ansieht:

strompreis-zusammensetzung

Nur rund ein Fünftel des Preises entfallen auf die Kosten für die Produktion der Energie, also auf Brennstoffe, Investitionen in Kraftwerke, Gewinn des Produzenten, etc. Der Rest sind Abgaben, darunter rund ein Viertel Netzentgelte und rund ein Fünftel EEG-Umlage. Auf diese Kostenbestandteile hätte die Familie auch bei einem Ökostromvertrag keinen Einfluss. Der einzige Vorteil des Umstiegs auf grüne Energie wäre der Marktdruck, den sie als Verbraucher auf herkömmliche Energieversorger ausüben: Je mehr Ökostrom nachgefragt wird, desto mehr Ökostrom muss produziert bzw. eingekauft werden. Dies verändert den Gesamtstrommix langsam aber nachhaltig. Inzwischen liegen erneuerbare Energien in Deutschland bei einem Anteil von rund 30% des gesamten produzierten Stroms.

Die Lösung für Simone und Thomas: Strom in Zukunft selbst produzieren

Simone und Thomas wird im Laufe ihrer Recherche immer deutlicher, wie abhängig sie eigentlich von Energieversorgern, Netzbetreibern, dem Energiemarkt und dem Gesetzgeber sind. Der Wechsel zu einem Ökostromtarif ist ein schöner erster Schritt, um zunächst zumindest saubere Energie zu erhalten. Wirklich unabhängig wird die Familie damit aber nicht. Deshalb setzen sich Thomas und Simone zusammen und informieren sich über Photovoltaikanlagen. Mit einer eigenen Solaranlage, so hoffen sie, können sie ihren Strom in Zukunft selbst produzieren und sich wirklich unabhängig von Energieversorgern machen.

Im nächsten Teil des shine 3-Punkte-Plans begleiten wir Simone und Thomas bei ihrem Kauf einer Solaranlage. Wir zeigen, was es dabei zu beachten gilt und wie ihr mit einer PV-Anlage möglichst viel Kontrolle über eure Energieversorgung wiedererlangt, um euch letztendlich unabhängig von herkömmlichen Energieversorgern zu machen.

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